Raus zum Frauen*kampftag!

Mit diesem kurzen Statement hat Angela Davis einen Zusammenhang erklärt, der für viele bis heute nicht klar ist: Feminismus bedeutet nicht, die Stellung einiger weniger Frauen* zu verbessern, sondern die aller Frauen*. Denn von den gesellschaftlich geprägten Geschlechterrollen sind alle Frauen* betroffen, egal welcher Herkunft, welchen sozialen Status, welcher Religion, ob Student*in, Schüler*in, Arbeiter*in… Der Frauen*kampftag ist heute noch so aktuell wie vor über 100 Jahren.

Die Sozialistin Clara Zetkin schlug auf der Zweiten Internationalen Frauenkonferenz im Jahr 1910 die Einführung eines Internationalen Frauentages vor. Die Idee hatte sie aus den USA übernommen, wo ein Jahr zuvor der erste Frauentag als nationaler Kampftag für das Frauenwahlrecht stattfand. Bereits 1911 wurde die Idee in Dänemark, Deutschland, Österreich-Ungarn und der Schweiz umgesetzt.

Die Geschichte des Frauen*kampftages ist von den sozialen und politischen Gegebenheiten und Umbrüchen von 1911 bis heute geprägt. Doch in den letzten Jahren hat sich vermehrt die Meinung durchgesetzt, dass Frauen* in Deutschland nun gleichberechtigt sind und der Frauen*kampftag lediglich noch zum Verteilen von Rosen da ist. Der Schein trügt aber – Frauen* leisten den Großteil der unbezahlten Arbeit, Haushalt, Erziehung und Pflege. Im Beruf leiden sie unter dem sogenannten „Gender Pay Gap“ (Erklärung s.u.), gelanden seltener in Führungspositionen und werden bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf von Gesetz- und Arbeitgeber*innen allein gelassen. Der Staat greift darüber hinaus in das Recht von Frauen* ein, über ihre eigenen Körper zu bestimmen – so wurde das Bereitstellen von Informationen zu Schwangerschaftsabbrüchen einer Ärztin aus Gießen zum Verhängnis, sie muss (laut aktuellem Urteil) 6.000 Euro Strafe zahlen.

Auf der anderen Seite werden Frauen* bei Geburten immer häufiger allein gelassen – die Zahl der Hebammen nimm bedingt durch überhöhte Haftpflichtversicherungsbeiträge und schlechte Bezahlung immer weiter ab. Verhütungsmittel wie die Pille müssen fast immer allein Frauen* zahlen, als deren Aufgabe die Verhütung gerne angesehen wird. Hygieneartikel wie Tampons und Binden werden mit 19% Mehrwertsteuer aufgeschlagen, dabei könnten sie sogar kostenlos abgegeben werden. Alltäglicher Sexismus schlägt Frauen* entgegen und wird kleingeredet – es sei ja nur ein Witz gewesen. Und Gewalt gegen Frauen* ist nur dann präsent, wenn sie von „Ausländern“ verübt wird. Bei sexueller Gewalt im Umfeld von Bekannten wird das Opfer oft zum Sündenbock – der kurze Rock war ja nahezu eine Einladung.

Genau deshalb ist der Frauen*kampftag aktueller als jemals zuvor!

Schließt euch Demos an, plant eigene Aktionen, informiert und macht deutlich – die Linksjugend [’solid] ist ein feministischer Jugendverband!

 

Kurz erklärt: Was ist dieser „Gender Pay Gap“?

Gender Pay Gap beschreibt den geschlechtsspezifischen Lohnunterschied, der in Deutschland 23% beträgt – das heißt Frauen verdienen in Deutschland durchschnittlich 23% weniger als Männer. Dies liegt u.a. an mangelnden Aufstiegsmöglichkeiten, Unterbrechung von Berufszeiten durch Kinder(-erziehung) und diskriminierender Behandlung von Frauen. Selbst bei gleicher Ausbildung, Berufserfahrung und Tätigkeit – dem sogenannten bereinigten Gender Pay Gap – beträgt der Unterschied je nach Studien zwischen 5 und 12%, gemeinhin wird er mit 8% angegeben.